Die Jugendphase dient der Persönlichkeitsentwicklung und dem Ausprobieren eigener Fähigkeiten. In den letzten Jahren stehen junge Menschen immer mehr unter Druck. Gute Leistungen in Schule, Ausbildung und Hochschule nehmen einen immer höheren Stellenwert ein, gleichzeitig haben die Reformen im Bildungswesen  zu einer zunehmenden Verdichtung geführt: Ganztagsschule, G8 und Bachelor-/Masterstudium verkürzen die Zeiträume, die von jungen Menschen eigenverantwortlich gestaltet werden können.

Bildung ist aber nicht nur Schul- und Berufsbildung. Bei einem staatlichen und gesellschaftlichen Fokus auf schulische Bildung geraten andere Bildungsorte in Vergessenheit. Zwei Drittel der sozialen Fähigkeiten, die ein Mensch in seinem und für sein Leben lernt, erwirbt er  in der alltäglichen Interaktion mit anderen Menschen in Familie, Freundeskreis sowie Vereinen und Verbänden. Einen zentralen Bestandteil dieser nonformalen und informellen Lerngelegenheiten bilden dabei die Jugendverbände. Hier erleben Kinder und Jugendliche Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit und gestalten ihr Umfeld selbstorganisiert. Im Jugendverband können Kinder und Jugendliche ihr Recht auf Freizeit und Erholung leben. Ganz nebenbei lernen sie Zuverlässigkeit, Team-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, Eigenverantwortung und Verantwortungsübernahme für andere.

 

Außerschulische Bildung

Demokratiebildung

Jugendverbände und ihre Zusammenschlüsse sind Werkstätten der Demokratie. Kinder und Jugendliche können hier selbst ausprobieren, was Partizipation bedeutet. Dabei machen die Organisationen ein niedrigschwelliges Angebot, das sich in erster Linie durch informelles Lernen auszeichnet. Junge Menschen lernen im täglichen Miteinander das, was für ein selbstbestimmtes politisches Leben notwendig ist. Dazu gehören die Bereitschaft und Fähigkeit zur Artikulation eigener Interessen, Wege und Möglichkeiten, diese durchzusetzen, ebenso wie der Umgang mit Konflikten. Kinder und Jugendliche lernen in der Gruppe und in der verbandlichen Zusammenarbeit auch, sich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun, Kompromisse zu finden. Kooperation zählt, und Befehle „von oben“ werden kritisch hinterfragt.

Gleichzeitig erfahren die Kinder und Jugendlichen auch, was es heißt, Verantwortung für andere zu übernehmen und diese „Macht“ verantwortlich zu nutzen. Jugendverbände bieten also nicht bloß die Möglichkeit zur Teilnahme an vorgeformten Aktivitäten, sondern fordern die aktive Mitgestaltung ein. Ein deutlicher Großteil der Angebote wird rein ehrenamtlich organisiert und durchgeführt.  Demokratie wird erfahrbar, weil das Zusammenleben in der Freizeit und im Verband demokratisch gestaltet wird.

Neben Formen des informellen Demokratielernens  üben Kinder und Jugendliche in der Jugendverbandsarbeit auch die Kommunikationsformen der Demokratie. Ein wichtiger Bereich ist dabei die Wahl von Vertreter*innen, die für alle Gruppenmitglieder sprechen können. Die jungen Menschen erfahren die Vorzüge einer solchen „Vertretungsstruktur": Im Kontakt mit Kooperationspartnern im Nachbardorf, im angrenzenden oder entfernten Bundesland, bundesweit oder international kommt man häufig weiter, wenn man mit geschlossener Stimme auftritt.

So vielfältig das Spektrum der Jugendverbände ist, so vielfältig sind auch die Formen von Beteiligung: Die Demokratische Zusammenarbeit in Jugendverbänden reicht von der Entscheidung über Gruppenaktivitäten bis hin zur Meinungsfindung zu politischen Fragen.

Damit Demokratiebildung in Jugendverbänden stattfinden kann, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Dazu gehören neben einer Förderung und Anerkennung durch Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft insbesondere Freiräume für junge Ehrenamtliche.  Engagement in der Jugendarbeit stellt einen wesentlichen Bestandteil politischer Bildung und eine wichtige gesellschaftliche Weichenstellung für späteres Engagement in Politik und Gesellschaft dar.

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Ehrenamt stärken

Trotz der hohen Wertschätzung, die dem Ehrenamt  von Politik und Gesellschaft entgegengebracht wird, werden die Freiräume für selbstbestimmte Zeiten von Kindern und Jugendlichen immer kleiner. Jugendarbeit ist undenkbar ohne das Engagement der Jugendleiter*innen, der Vorstände und anderer ehrenamtlich Engagierter. Es fehlen Maßnahmen, die in Zeiten von G8, Ganztagsschule und Bachelorstudium die Vereinbarkeit von Ehrenamt mit Schule, Hochschule und Ausbildung verbessern. Wer ehrenamtliches Engagement wünscht, muss dafür auch die notwendigen Rahmenbedingungen sicherstellen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine Kultur der gesellschaftlichen Anerkennung. Diese ist nicht (nur) durch punktuelle Ehrungen zu erreichen, sondern vor allem durch eine Wertschätzung, die sich in spürbaren Erleichterungen und Freiräumen für ehrenamtliches Engagement äußert.

Hierfür hat der Landesjugendring konkrete Vorschläge erarbeitet: Freiräume für das Ehrenamt

Förderung der Jugendverbandsarbeit

Bei der Förderung der Jugendarbeit auf Landes- und kommunaler Ebene handelt es sich um eine gesetzliche Pflichtaufgabe: Jugendverbände und Jugendringe als ihre Zusammenschlüsse sind nachhaltig und dauerhaft zu fördern, so dass sie ihren gesetzlichen Aufgaben gerecht werden können (s. auch Förderung und Jugendringe sind zu fördern).

Die finanzielle Förderung der Jugendverbände in Schleswig-Holstein orientiert sich seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr am fachlich Notwendigen. Die Zuschüsse für die Jugendverbände auf Landesebene steigen nicht, obwohl es bei Personal-, Übernachtungs-, Fahrtkosten usw. erhebliche Kostensteigerungen gab. Die anteilige Beteiligung des Landes an den 18 Bildungsreferent*innenstellen auf Landesebene (in fast 30 Verbänden) betragen heute über 50.000€ weniger als noch im Jahr 2000, gleichzeitig sind die Gehälter seitdem um über 20% gestiegen.  Ebenfalls gestiegen sind in den letzten Jahr(zehnt)en die Kosten für Aus-und Fortbildung, die in der Jugendverbandsarbeit erfahrungsgemäß einen hohen Anteil der Ausgaben ausmachen. Dies ist nicht hinnehmbar. Der Landesjugendring setzt sich daher für eine Erhöhung der Fördermittel ein.

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